Empfang im Rathaus
Rede des stellvertretenden Oberbürgermeisters der Stadt Mainz,
Norbert Schüler. Es gilt das gesprochene Wort.
Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Jugendparlament für ein
erweitertes Europa,
Liebe Gäste,
Sehr geehrte Damen und Herren,
im
Mainzer Rathaus möchte ich Sie, in Vertretung des Herrn Oberbürgermeisters
Jens Beutel, zu diesem Empfang herzlich begrüßen. Sie haben
schon an einer historisch-kulturellen Stadtbesichtigung teilgenommen,
die Ihnen einen Eindruck von Mainz gegeben hat.
Sicher haben Sie dabei auch gehört, dass Mainz von jeher eine
vielschichtige Rolle im Beziehungsgeflecht europäischer Völker
gespielt hat. Carl Zuckmayer, ein Dichter aus unserer Region, nennt
Mainz die Völkermühle Europas.
Wenn Sie sich einmal hier im Ratssaal umsehen, werden Sie verschiedene
Wappen unserer Partnerstädte in Europa erkennen, z. B. sind wir
mit Watford, Dijon, Zagreb und Valencia verschwistert. Diese Verbindungen
werden von der Stadt in jeder Hinsicht unterstützt und gefördert.
Der europäische Gedanke lebt im Rathaus und ist fest in unseren
Köpfen und Herzen sowie in unserem Handeln verankert. Die Mainzerinnen
und Mainzer sind über zahlreiche Aktivitäten, Projekte und
Partnerschaftsvereine an der Basis in den europäischen Entwicklungsprozess
einbezogen.
Eine solche Veranstaltung wie ihr "Jugendparlament für ein
erweitertes Europa", an dem rund 100 Jugendliche aus Rheinland-Pfalz,
Burgunder, den Niederlanden und Oppeln teilnehmen, findet hier den richtigen
Resonanzboden. Wir sehen Ihren Besuch als eine Bereicherung im Streben
an, die Menschen, und gerade die jungen Leute in Europa, einander näherzubringen
und den Austausch auf geistig-kultureller und grundlegend-politischer
Ebene zu pflegen.
Mit dieser Form der Begegnung wollen wir nicht nur den Europa-Gedanken
in der jungen Generation stärken, sondern auch den Kontakt zwischen
den Jugendlichen aus den Partnerregionen beziehungsweise Nachbarländern
intensivieren.
So bauen Sie, liebe Jugendliche, mit ihrem persönlichen Engagement,
am künftigen Hause Europa mit.
Die Universitäts- und Medienstadt Mainz, mit dem Sitz des Instituts
europäische Geschichte, ist nicht nur eine weltoffene Stadt im
Herzen Europas. Die Mainzerinnen und Mainzer schauen schon immer auch
gerne über den Tellerrand ihrer städtischen Grenzen.
Von dem vorhin bereits angesprochenen, historisch bezogenen Europa-Hintergrund
hat man ihn Mainz schon früh verstanden, dass Europa keine abstrakte
Idee, sondern gelebte Gemeinschaft ist.
Kontakte wie Sie sie heute anbahnen und pflegen, die persönliche
Begegnung, der Meinungsaustausch - dies mögen kleine Mosaiksteinchen
im Gesamtwerk der europäischen Freundschaft sein, doch sind sie
unverzichtbar!
Denn es sind gerade die Beziehungen von jungen Menschen zu jungen Menschen
die dafür sorgen, sodass die Zusammenarbeit auch in Zukunft getragen
und mit Leben erfüllt wird. Als kleine Episode möchte ich
Ihnen noch mit auf den Weg geben, dass die Mainzerinnen und Mainzer
sich schon für die "Osterweiterung" Europas eingesetzt
haben, als eine Zusammenarbeit mit dem so genannten "Ostblock"
vor dem Hintergrund des kalten Krieges eigentlich noch völlig undenkbar
war.
Die Reise einer Mainzer Delegation im Oktober 1967 nach Zagreb war
der erste Versuch einer Großstadt der Bundesrepublik, mit einer
Stadt in einem kommunistisch regierten Land Kontakt aufzunehmen. Die
damals geschlossene Freundschaft zwischen Menschen aus Mainz und Zagreb
äußert sich bis heute in vielen gemeinsamen Projekten, persönlichen
Freundschaften und Verbindungen.
Diese Veranstaltung leistet dazu einen wichtigen Beitrag und wir erfreuen
uns darüber, dass Sie zu uns nach Mainz gekommen sind, um viele
interessante Gespräche und anregende Diskussionen zu führen.
Wir dürfen auf die Ergebnisse sehr gespannt sein.
Herzlich willkommen in Mainz!
Und nun bitte ich Sie zu einem Umtrunk ins Valencia-Zimmer.



|