Manchmal kommt es anders als man denkt
- Die Pressekonferenz
Kommentar von Karina Giershausen
Jugendparlament für ein vereintes Europa, Empfang in der Staatskanzlei,
Interview mit Ministerpräsident Kurt Beck, Debatte im Plenarsaal...
Das klingt doch alles wirklich wichtig. Kaum zu glauben, dass diese
Ausschüsse aus 16-25 jährigen bestehen, die genauso gerne
feiern wie sie über Politik diskutieren.
Aber da am Vormittag auch schon das Fernsehen eine ganze Weile die
Plenardebatte dokumentiert hatte, durfte eine Pressekonferenz nicht
fehlen.
Pressekonferenz,
das kennen die meisten nur aus dem Fernsehen. Eine zumeist wichtige-
Person sitzt hinter einem langen Tisch, auf dem sich Mikrofone stapeln,
die jeden Speicheltropfen des Promis mitbekommen sollen. Die Meute der
Journalisten kämpft verbittert um die besten Plätze am Fuße
des Tisches, damit ein Foto von jeder Kopfbewegung des ehrenwerten Sprechers,
sei es jetzt der Bundeskanzler oder der Nationaltrainer, geschossen
werden kann.
Hinter den verschlossenen Türen scharen sich die mehr oder weniger
jungen Fans, um am Ende noch eines der begehrten Autogramme zu ergattern.
Soweit zur Vorstellung des 0815-Bürgers.
Anscheinend erachtete auch Dr. Barbara Tham, die Organisatorin des
Jugendparlamentes, die Pressekonferenz für recht wichtig, da sie
die teilnehmenden Ausschussmitglieder extra darauf vorbereitete, indem
sie unter anderem organisierte, wer zu welchen Fragen Auskunft geben
würde. Aber wie es so ist im richtigen Leben: Es kommt immer anders
als man denkt.
Fünf Journalisten hatten sich für 13:00 Uhr angemeldet, um
13.10 Uhr standen die Vorsitzenden und Pressesprecher der einzelnen
Ausschüsse noch alleine im Plenarsaal. Endlich um 13.15 Uhr gesellten
sich zwei Vertreter der Presse hinzu.
Aber anstelle von teuren Qualitätskameras, Diktiergeräten
und einem dicken Fragenkatalog kamen die beiden Herren mit einem Schreibblöckchen,
um sich bei der anschließenden Konferenz zu jedem Teilnehmer so
ein, zwei Stichpünktchen mitzuschreiben.
Das
einzige, was sie zu interessieren schien, war die Aussage von Jens,
dass es ab und zu enttäuschend gewesen sei, im Ausschuss Kompromisse
zu schließen. Eigentlich war seine Aussage gut verständlich
und nachvollziehbar, aber der nette Herr von der Presse vermittelte
den Eindruck, als ob er nur einen Negativaufhänger für seinen
Artikel suche.
Alles in allem kann man sicherlich sagen, dass die Pressekonferenz
eher schleppend verlief und den Erwartungen nicht ganz gerecht wurde.
Aber wie schon gesagt: Es kommt immer anders als man denkt und das
wirklich wichtige war ja auch das Jugendparlament selbst und das kann
man getrost als vollen Erfolg bezeichnen.
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